Die Grenzkontrollstationen (Transit Homes) von Maiti Nepal entlang der indischen Grenze haben die Aufgabe, die Grenze zu kontrollieren, potentielle Opfer zu identifizieren und vor der Verschleppung nach Indien zu bewahren. Die Grenzkontrollen sind ein sehr effektives und wirkungsvolles Instrument gegen den Menschenhandel und werden von Chance Swiss unterstützt.
Der Grenzübergang Pashupatinagar liegt ganz im Osten Nepals an der Straße nach Darjeeling. Im Vergleich zu den anderen Grenzübergängen von Nepal nach Indien ist Pashupatinagar relativ unbedeutend. Pro Tag passieren 200-300 Fahrzeuge die Grenze, an anderen Grenzübergängen sind es mehrere Tausend. Pashupatinagar ist ein kleines verschlafenes Grenzdorf mit weniger als 1.000 Einwohnern. Auf den ersten Blick würde man nicht vermuten, dass gerade dieser Grenzübergang in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Transitrouten des Mädchenhandels geworden ist.
Zu den Zielgruppen der Transit Homes zählen Mädchen und Frauen, die an der Grenze abgefangen und vor dem Schicksal der Verschleppung in die indischen Rotlichtviertel bewahrt werden. Die Grenze ist von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang besetzt. Im Schichtbetrieb wechseln sich die beiden zweiköpfigen Kontrollteams ab. Suspekt erscheinende Personen werden mit Hilfe der Polizei abgefangen und vom Kontrollteam befragt. Die Frauen von Maiti Nepal in den Kontrollteams haben ein ausgesprochenes Feingefühl für potentielle Verschleppungen. Einige von ihnen waren selbst Opfer und kämpfen heute auf der Seite von Maiti Nepal gegen das Schicksal, das ihnen selbst widerfahren ist.
Eine weitere Zielgruppe sind misshandelte Mädchen und Frauen aus umliegenden Dörfern, die bei Maiti Nepal Zuflucht finden. Es gibt niemanden, der sich ihrer annimmt, der Vergewaltigungsopfer aufnimmt und sie betreut. Pro Woche werden 3-4 Fälle gemeldet. Der von Maiti Nepal angestellte Anwalt tritt für das Recht der Frauen und für die Identifizierung und Strafverfolgung der Täter ein. Die Zahl der Anklagen steigt. Immer mehr Frauen wenden sich an Maiti Nepal und trauen sich, über ihr Schicksal zu berichten.
Zu den Aktivitäten des Transit Homes gehören auch regelmäßige Aufklärungskampagnen, die oft in Zusammenarbeit mit Lehrern, lokalen Politikern und der Polizei in abgelegenen Dörfern und Schulen organisiert werden. Die Gefahr der Verschleppung junger Mädchen durch organisierte Schlepperbanden wird deutlich und unmissverständlich dargestellt. Die Menschen werden aufgefordert, sich aktiv am Kampf gegen den Mädchenhandel zu beteiligen, Fälle von Verschleppung umgehend anzuzeigen und Hinweise auf mögliche Mittelsmänner nicht zurückzuhalten. Immer noch wird die Thematik von Verschleppung und Zwangsprostitution tabuisiert.