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Menschenhandel, Verschleppung & Kinderprostitution

Jedes Jahr werden in Nepal ca. 10’000 – 12’000 junge Mädchen im Alter zwischen 8 – 20 Jahren aus ihren Familien herausgerissen, nach Indien verschleppt und dort in Bordellen der Großstädte zur Prostitution gezwungen. Die Umstände des grausamen Mädchenhandels sind vielseitig. Organisierte Schlepperbanden ziehen durch abgelegene Dörfer des Himalajas und locken mit lukrativen Arbeitsplätzen als Serviererinnen, Zimmermädchen, Küchen- oder Haushaltshilfen in Indien oder den Golfstaaten. Für die ahnungslosen Opfer klingen solche Versprechungen verlockend. Es wird zunehmend auch von Fällen berichtet, in denen Frauen von ihren Ehemännern und Kinder von ihren Geschwistern oder nahen Verwandten verschleppt oder verkauft werden.


In einem Land, in dem über 45% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze lebt, in dem nur 38% der Menschen Lesen und Schreiben können, und das nach wie vor zu den ärmsten Ländern der Welt zählt, ist der Mädchenhandel zu einem lukrativen Geschäft geworden. SFr. 1'800 – 2'200 wird je nach Aussehen und Alter von  Bordellbesitzern für eine junge Nepali bezahlt. Die Nachfrage nach nepalesischen Mädchen und Frauen ist wegen ihrer helleren Hautfarbe im Vergleich zu Inderinnen groß. Das Durchschnittsalter der verschleppten Mädchen ist aufgrund der Ängste vor HIV/AIDS in den vergangenen Jahren konstant gesunken und liegt bei 10 – 15 Jahren. Das jüngste Mädchen, das von Maiti Nepal gerettet werden konnte, war gerade 7 Jahre alt. Nach Schätzungen befinden sich derzeit über 200’000 nepalesische Mädchen in indischen Bordellen.


Die Bedingungen, unter denen die zumeist minderjährigen Opfer zum Sex gezwungen werden, sind erschütternd. Die Mädchen werden zunächst von erfahrenen Frauen, häufig unter Anwendung brutaler Gewalt, gefügig gemacht. Innerer Widerstand wird gebrochen, Persönlichkeiten zerstört. Rückkehrerinnen berichten von Gruppenvergewaltigungen, Folter in Form von vaginalen Elektroschocks und Verbrennungen der Brustwarzen mit Zigaretten sowie dem Einsatz von Drogen. Ist der Wille der Opfer gebrochen, müssen sie wehr- und schutzlos ertragen, was tagtäglich mit ihnen geschieht. Bis zu dreißig Kunden pro Tag müssen sie empfangen, Kondome werden nicht regelmäßig benutzt. Die Zahl der mit HIV/AIDS infizierten Frauen liegt bei ca. 75 – 80%. Hinzu kommen Krankheiten wie Hepatitis, Tuberkulose sowie verschiedene Geschlechtskrankheiten.

Institutionen von Maiti Nepal

  • Rehabilitations- und Schutzzentrum in Kathmandu (für 100 Frauen und 250 Kinder)
  • Klinik mit Spezialisierung auf HIV/AIDS-infizierte schwangere Frauen
  • Kindergarten und Schule (für 350 Kinder)
  • Auffang- und Kontrollstationen an den 10 wichtigsten Grenzübergängen zu Indien
  • Informations- und Ausbildungszentren in ländlichen Gebieten
  • Hospiz mit medizinischer Versorgung
  • Rettungszentrum in Mumbai, Indien (Rescue Foundation)

Anuradha Koirala, Gründerin und Leiterin von Maiti Nepal

Maiti Nepal


Maiti Nepal ist eine nepalesische NGO (Non Government Organisation) mit Sitz in Kathmandu, die sich die Bekämpfung von Menschenhandel, Verschleppung und Kinderprostitution zur Aufgabe gemacht hat. "Maiti" ist Nepali und bedeutet "Haus der Mutter". Die Organisation wurde 1993 von Anuradha Koirala gegründet. Maiti Nepal hilft verzweifelten Kindern und jungen Frauen, die niemanden sonst mehr haben, an den sie sich wenden können: ausgesetzten und obdachlosen Kindern, Waisen, vergewaltigten Kindern und Frauen, Rückkehrerinnen aus indischen Bordellen sowie Opfern von Missbrauch und Gewalt. Doch Maiti Nepal hilft nicht nur den Betroffenen, sondern versucht auch, durch gezielte Maßnahmen und Aktionsprogramme die Ursachen an der Wurzel zu bekämpfen. Durch gezielte Aufklärungs- und Informationsprogramme sowie den Aufbau von Ausbildungszentren wird landesweit über Verschleppung und Kinderprostitution sowie den organisierten Menschenhandel berichtet. Der konsequenten Öffentlichkeitsarbeit sowie zahlreichen spektakulären Aktionen der Organisation ist es zu verdanken, dass die Problematik heute in vielen gesellschaftlichen Schichten und Regionen Nepals bekannt ist. Durch den konstanten gesellschaftlichen und innenpolitischen Druck ist nunmehr auch die Regierung des Landes gezwungen, sich mit der Thematik auseinander zu setzen.

Programme und Aktivitäten von Maiti Nepal

  • Informations- und Aufklärungskampagnen
  • Befreiungs- und Rückführungsaktionen
  • Medizinische Versorgung
  • Psychologische Betreuung der Betroffenen
  • Schulung und handwerkliche Ausbildung
  • Rehabilitations- und Reintegrationsprogramme
  • Systematische Täterverfolgung und Verurteilung
  • Rechtsberatung und Rechtsbeistand
  • Multiplikatorenausbildung: Schulungen für Polizisten, Lehrer und Studenten
  • Veranstaltung von Kongressen und Workshops für Politiker